Schweden: Schwedendemokraten polarisieren – auch die Medienlandschaft

Die Regierungsübernahme der Konservativen unter Duldung der rechtspopulistischen Schwedendemokraten und der russische Angriffskrieg in der Ukraine haben das Medienbild in Schweden beeinflusst.

Die Vorsitzenden der Schwedendemokraten (Jimmie Åkesson), Moderaten (Ulf Kristersson), Christdemokraten (Ebba Busch) und Liberalen (Johan Pehrson) im Oktober 2022. (© picture alliance / EPA / Jonas Ekströmer)
Die Vorsitzenden der Schwedendemokraten (Jimmie Åkesson), Moderaten (Ulf Kristersson), Christdemokraten (Ebba Busch) und Liberalen (Johan Pehrson) im Oktober 2022. (© picture alliance / EPA / Jonas Ekströmer)
So hat das öffentlich-rechtliche Fernsehen Sveriges Television im April 2023 erstmals die Veröffentlichung einer Reportage gestoppt – wegen Bedenken, man könne sonst im Zuge des umstrittenen neuen Anti-Spionagegesetzes belangt werden. Es ging dabei um Geheimdienstberichte über die Verwundbarkeit von Infrastruktur in der Ukraine.

Auch die Polarisierung der Medien ist im Zuge der stillen Beteiligung der Schwedendemokraten an der konservativ geführten Minderheitsregierung weiter fortgeschritten. Ein Beispiel hierfür ist die führende Tageszeitung Dagens Nyheter, die sich als unabhängig liberal bezeichnet. Sie hatte sich konservativen Regierungen stets gewogen gezeigt, bekämpft aber die jetzige Regierung wegen ihrer Nähe zu den Schwedendemokraten.

Des Weiteren setzt sich die Verschiebung des Medienkonsums in den digitalen Raum fort. Die landesweite Untersuchung Mediebarometern macht in ihrem Bericht von 2022 eine starke Stellung bewegter Bilder im täglichen Medienkonsum der Schweden aus. Dies erklärt sich durch die immer dominanter werdende Stellung des Smartphones. Die Entwicklung bei digitalen Abonnements ist denn auch bei den meisten Medien positiv, während die Druckauflagen weiter sinken – zusätzlich begünstigt durch die zunehmende Ausdünnung des Angebots von Post- und Lieferdiensten.

Alle Medien setzen deshalb auf digitale Verbreitung, insbesondere auf Apps für Smartphones oder Tablets. Auch Fernsehen und Radio spielen in diesem Segment eine immer aktivere Rolle. TV-Sendungen wurden laut Mediebarometern sogar häufiger per Internetstreaming abgerufen als über den klassischen Fernsehempfang. Die Bedeutung von Podcasts und Videonachrichten hat ebenfalls zugenommen – auch bei den Printmedien. Mit dem Ausbau ihrer Onlineangebote können die Zeitungen den Rückgang der Druckauflagen allerdings nicht vollständig auffangen.

Es sind Zeiten des raschen und umfassenden Medienwandels auch in Schweden, das 1766 als eines der ersten Länder der Welt die Freiheit der Presse in seiner Verfassung verankerte. Sie ist ein grundlegendes Element des Rechts auf Meinungsfreiheit, das in dem Land traditionell eine starke Stellung hat. Die Veränderungen spiegeln sich auch in der Reform der staatlichen Unterstützung von Tageszeitungen und der Finanzierung der öffentlich-rechtlichen Anstalten wider. Diese werden seit 2019 durch eine Steuer finanziert statt wie bisher durch eine Gebühr. Die staatliche Unterstützung der Lokalzeitungen wurde umstrukturiert. Der Konzentrationsprozess geht hier unvermindert weiter.

Kennzeichnend für die schwedische Medienlandschaft ist die noch immer relativ starke Rolle der öffentlich-rechtlichen und werbefreien Medien Sveriges Television und Sveriges Radio. Sveriges Radio sendet auch in den Sprachen der Minderheiten. Die Kontrollstrukturen sind darauf ausgerichtet, den Einfluss der Politik so gering wie möglich zu halten. Die Schwedendemokraten haben aber wiederholt die Berichterstattung kritisiert und wollten das Parlament zu einer Rüge bewegen - ohne Erfolg.

Die öffentliche Debatte wird weitgehend von den öffentlich-rechtlichen Medien und den großen Tageszeitungen geprägt, wobei auch die sozialen Medien eine starke Rolle spielen. Der Zeitungsmarkt wird nach Aufkäufen und Konzentrationsprozessen in den 1990er und 2000er Jahren vom norwegischen Schibsted-Konzern und der schwedischen Bonnier-Media dominiert.


Rangliste der Pressefreiheit (Reporter Ohne Grenzen):
Platz 4 (2023)

Stand: Juni 2023
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