Paris und London wollen gemeinsame Ukraine-Mission

Rund dreißig Staaten haben in Paris über die weitere Unterstützung der Ukraine beraten. Zu einer Entsendung von Friedenstruppen für die Absicherung einer eventuellen Waffenruhe gab es keine Einigung. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron kündigte jedoch die Vorbereitung einer französisch-britischen Mission an. Dafür würden Emissäre beider Länder in den kommenden Tagen in die Ukraine reisen. Was könnte das bringen?

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Serhij Taran (UA) /

Wirkungslose Therapie

Ohne Trumps Rückendeckung sind europäische Friedenstruppen unrealistisch, meint der Politologe Serhij Taran auf Facebook:

„Selbst die willigsten europäischen Friedensstifter werden es nicht wagen, die ukrainische Grenze zu überqueren, solange Trump ihnen keine Sicherheitsgarantien gibt. Aber er wird das nicht tun, weil Putin dagegen ist. Trump weiß auch, dass er die Europäer schnell wieder auf den Boden der Tatsachen bringen kann, indem er ihnen mit dem Austritt aus der Nato droht. ... Deshalb erinnern die Gipfel der 'Willigen' an kollektive Psychotherapiesitzungen, bei denen die Patienten über ihr Leid erzählen und sich gegenseitig versprechen, entschlossen zu handeln. Eine wirkungsvolle Therapie kann aber nur in Militärfabriken und auf Truppenübungsplätzen beginnen.“

Stuttgarter Zeitung (DE) /

Große Worte, wenig Taten

Für die Stuttgarter Zeitung ist die "Koalition der Willigen" nicht mehr als ein Papiertiger:

„Frankreichs Präsident Emmanuel Macron wäre gern Anführer der Koalition, muss aber eingestehen, außer großen Worten bisher dem Abwehrkampf der Ukraine wenig beigesteuert zu haben. ... In Zahlen: Paris, Madrid und Rom haben bis jetzt zusammen weniger für die Unterstützung der Ukraine gezahlt als das kleine Dänemark. Und dann ist da noch das mächtige Deutschland, das im Moment vor allem mit sich selbst beschäftigt ist. Unklar ist aber nicht nur die Finanzierung der Hilfe, ebenso diffus sind die Ideen, wie ein möglicher Waffenstillstand zwischen der Ukraine und Russland militärisch tatsächlich abgesichert werden könnte.“

La Stampa (IT) /

Auf Hilfe der USA kann nicht gehofft werden

Es wird schwer ohne die USA, wirft La Stampa ein:

„Das Europa der Willigen ist ein Europa, das zwar auf das Beste hofft, aber nicht blind ist und sich deshalb auf das Schlimmste vorbereitet. Es ist ein Europa, das erkennt, dass die USA kein zuverlässiger Verbündeter mehr sind. Washington ist nicht bereit, Europa zu helfen, das seinerseits entschlossen ist, die Ukraine zu unterstützen. Der französische Präsident Emmanuel Macron hat dies erkannt. ... Wenn die Europäer von Washington Unterstützung für Fähigkeiten verlangen würden, über die sie nicht verfügen – von der Logistik bis zum Geheimdienst – oder wenn sie von den Russen provoziert oder gar angegriffen würden, würde Washington höchstwahrscheinlich seine Hände in Unschuld waschen.“