Ukrainekrieg: Warum hakeln die Verhandlungen?
Die von den USA initiierten Gespräche zur Beilegung des Ukrainekriegs stecken in einer Krise: Nachdem Putin als Vorbedingung Sanktionsaufhebungen und Neuwahlen in der Ukraine unter UN-Aufsicht gefordert hatte, erklärte Donald Trump, dass er "wütend und stinksauer" auf Putin sei. Kyjiw lehnte seinerseits einen neuen Vertragsentwurf über die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit den USA als untragbar ab. Die Medien erörtern die Chancen auf eine Waffenruhe.
Russische Schaukeltaktik
Der diese Woche nach Washington gekommene russische Unterhändler Kirill Dmitrijew ist der "gute Cop" in Putins Spiel, schreibt Soziologe Igor Eidman auf Facebook:
„Seine Aufgabe ist es, die Amerikaner zu beruhigen und sie erneut mit Märchen über Milliarden zu verführen, die in Russland zu holen sind, wenn sie mit Putin befreundet sind. ... Der US-Präsident wird wieder anfangen, von Putins Friedenswillen zu schwärmen. Und dann werden die Parteien wieder 'Kleinigkeiten' zu besprechen haben – nämlich die Details des Abkommens. Und wen wird der Kreml dann zu den Verhandlungen mit den Amerikanern schicken? Wieder die zwei Tschekisten aus der Mottenkiste, die bösen Cops Karassin und Besseda, die – richtig geraten – stundenlang monoton Putins Ultimaten wiederholen werden.“
Die Zeit arbeitet für den Kreml
Warum es der russische Präsident nicht eilig hat, erklärt Avvenire:
„Putin hat keine Angst, niemand zieht ihn zur Rechenschaft, und niemand schränkt sein Handeln ein. Es sollte daher nicht überraschen, dass Putin trotz Trumps Wut und Selenskyjs Sticheln auf die Bremse tritt, sich um Verhandlungsvorschläge herumdrückt und vor allem darauf achtet, sich nicht auf das Hauptthema – einen Waffenstillstand mit Einstellung der Angriffe – festzulegen. Im Moment geht es ihm weniger um weitere drei bis fünf Prozent des ukrainischen Territoriums. Er versucht lediglich, die Probleme anderer auszunutzen, um den besten Deal zu erzielen. … Er wird sich erst wirklich an den Verhandlungstisch setzen, wenn er sicher ist, dass er nicht mehr erreichen kann als das, was er bereits erreicht hat.“
Selenskyj setzt auf neue Unterstützung
Politologe Wladimir Pastuchow sieht in einem von Echo übernommenen Telegram-Post Argumente für die ukrainische Seite, die Verhandlungen in die Länge zu ziehen:
„Das Kalkül ist einfach: den Sturm 'aussitzen' und Zeit gewinnen, um entweder die USA durch Europa als Kriegssponsor zu ersetzen oder eine Rückkehr der USA auf pro-ukrainischen Kurs abzuwarten (denn es besteht die Illusion, dass diese Scherereien nicht lange dauern werden). Dies ist eine respektable Position, die sicherlich von der ukrainischen Bevölkerung unterstützt wird, aber sie hat ihren Preis. Nämlich den, dass es ein hochriskantes Spiel ist. Wenn die Wette auf den 'Aufstand Europas' oder die 'Heilung der USA' scheitert, bekommt Selenskyj die denkbar schlechtesten Friedensbedingungen – und Putin die besten.“
Gegenüber Putin zählen nur Waffen
Worte allein reichen nicht aus, schreibt Journalist und Parlamentsabgeordneter Mykola Knjaschyzkyj in einem von gazeta.ua übernommenen Facebook-Post:
„Die Drohungen der neuen US-Regierung, 'die Sanktionen zu verschärfen' – als Reaktion darauf, dass 'Putin enttäuscht' – können den Krieg nicht stoppen. Sie können die Russen nicht einmal zu einem vorübergehenden Waffenstillstand motivieren. Die Handlungen und Aussagen der Mitglieder des Trump-Teams zeugen davon, dass sie diesen Krieg wirklich so schnell wie möglich beenden wollen. Wenn dem wirklich so ist, dann wäre die Aufstockung der Lieferungen von Waffen und Kriegsgerät an die Ukraine der einzige Weg, das zu erreichen. Nur eine solche Taktik kann Putin dazu bringen, an seinem Sieg zu zweifeln und sich real an den Verhandlungstisch zu setzen.“